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Thierry Neuville ist das Toptalent der WRC. Mit gerade erst 25 Jahren kann er bereits auf langjährige Rallyeerfahrung in der IRC und der Weltmeisterschaft zurückblicken. Er fuhr als Werksfahrer für Citroën, wurde vergangene Saison Vizeweltmeister bei Ford und fährt künftig im Dienste von Neueinsteiger Hyundai. Doch woher kommt Thierry und was macht ihn so schnell?

Thierry Neuville wurde am 16 Juni 1988 geboren und stammt aus Hünningen bei St. Vith in Ostbelgien. Obwohl er im deutschsprachigen Teil Belgiens großgeworden ist, liest sein Beifahrer das Gebetbuch auf französisch.

Die Anfänge

Seine Rallyelaufbahn beginnt im Jahre 2007. Damals absolvierte er einige nationale Rallyes in seiner Heimat Belgien. 2008 pilotierte er einen Ford Fiesta ST des RACB National Team in der belgischen Rallyemeisterschaft zu zwei Klassensiegen. Im selben Jahr wurde er auch für die Rallye Finnland gemeldet, ging aber nicht an den Start. 2009 wechselte er dann vom Ford Fiesta auf den stärkeren Citroen C2R2 Max des RACB National Team. Nach einigen Läufen in seiner Heimat und im benachbarten Frankreich folgte sein erster Einsatz in einer interkontinentalen Meisterschaft. In Ypern startete Neuville für das BF Goodrich Drivers Team im bärenstarken Peugeot 207 S2000, schied aber leider aus. Einige Monate später, schnupperte Neuville das erste mal WM-Luft. Bei seinem WRC-Debut in Katalonien belegte er einen beeindruckenden 21. Platz, bis ihn eine kaputte Lichtmaschine auf dem Weg zum Klassensieg zum Aufgeben zwang.

Internationaler Wettbewerb

Im Jahre 2010 folgte der Aufstieg in die Weltmeisterschaft. Im Team Automeca Solutions von Rallye-Legende Philippe Bugalski, bestritt er 5 Läufe der JWRC im Citroen C2 S1600 und erreichte den 7. Meisterschaftsrang. Bei der Rallye Bulgarien errang er seinen ersten JWRC Sieg. Parallel zur JWRC bestritt er 6 Läufe in der Intercontinental Rally Challenge, in der er im Dienste von Kronos Racing im Peugeot 207 S2000 an den Start ging. Zum Saisonende belegte Thierry Gesamtplatz 9 in der Meisterschaft. Zu seinem besten Ergebnis fuhr er 2010 in Ypern, als er mit großer Unterstützung der frenetischen Belgier auf den dritten Platz fuhr.

Mr. Flatout

Für die Saison 2011 ging Thierry Neuville weiterhin im Peugeot 207 S2000 für das Kronos Team in der IRC an den Start. Zu Beginn wechselte er auch seinen Co-Piloten. Für seinen bisherigen Co Nicolas Klinger, kam Nicolas Gilsoul. Seit 2 Jahren sind die beiden nun schon ein eingespieltes Team. Bei der Rally Islas Canarias fuhr er auf den dritten Podestplatz, nachdem er beim Auftakt im Januar bei der Rallye Monte Carlo ausgeschieden ist. Als Nächstes stand für das Duo Neuville/Gilsoul die Tour de Corse an, welche sie unentwegt anführten und am Ende ihren ersten Sieg einfuhren. Mit seinem Sieg trug er sich nicht nur in die Siegerlisten der Tour de Corse ein, sondern ging auch als jüngster Sieger einer Rallye in die IRC Geschichtsbücher ein. Ein zweiter Sieg folgte auf den Asphaltpisten der berühmten San Remo Rally. Sein dritter Saisonsieg bei der Golden-Stage Rallye in Zypern sollte als eine der spektakulärsten Fahrten, die die IRC je gesehen hat, in die Geschichtsbücher eingehen. Nach einer erfolgreichen IRC Saison 2011 belegte Thierry Neuville mit 115 Punkten den dritten Gesamtrang in der Meisterschaft. Thierry war nun in aller Munde.

Abenteuer Weltmeisterschaft

2012 wurde sein Traum wahr. Dank stetig guten Ergebnissen stieg er ins Junior Team von Citroen auf und startete erstmals im DS3 WRC. Yves Matton hatte zunächst nur 9 WM Einsätze geplant, jedoch mit der Hilfe von DAKAR Sieger Nasser Al Attiyah, konnte Thierry alle 13 WM Einsätze bestreiten. Was folgte, war ein Lehrjahr mit allen Höhen und Tiefen. Neben einigen WP Bestzeiten, folgten auch einige Unfälle. Sein bestes Resultat im ersten Weltmeisterschaftsjahr, war ein 5. Platz in Argentinien. Am Ende des Jahres gab Thierry Neuville überraschend seinen Wechsel zum britischen Ford-Privatteam M-Sport von Malcolm Wilson bekannt. 2013 sollte zum erfolgreichsten Jahr für Thierry Neuville werden.

Ein sensationelles Jahr

Nach Ausfall bei der Rally Monte Carlo im Januar, belegt er bei der Rallye Schweden den 5. Platz. Rasch gewöhnt er sich ans Handling des Fiesta. „Der Umstieg auf ein WRC letztes Jahr war schwierig.. es war zu viel Leistung. Jetzt ist es anders, wir wollen mehr!“, so Neuville zufrieden. Im Sand von Mexiko erreichte der junge Belgier seinen ersten Achtungserfolg und kam hinter Sebastien Ogier und Mikko Hirvonen auf Rang 3 ins Ziel. Nach einem 18. Platz in Portugal, folgten ein fünfter Platz in Argentinien und ein dritter Platz in Griechenland.

Zwischendurch testet Thierry Neuville den neuen Ford Fiesta R5, den M-Sport als Nachfolger des in die Jahre gekommenen Fiesta S2000 entwickelt hatte. Sehr zur Freude seiner rallyefanatischen Landsleute absolviert er die Jungfernfahrt des R5 unter Wettbewerbsbedingungen als Vorausfahrzeug bei der Ypern-Rallye.

Die zweite Saisonhälfte der Weltmeisterschaft beginnt vielversprechend. Auf Sardinien muss sich der junge Belgier lediglich dem übermächtigen Sebastien Ogier geschlagen geben und erreicht mit dem zweiten Platz sein bisher bestes Ergebnis. Doch das größte Ausrufezeichen setzte er in Finnland. Bei seinem allerersten Start in den finnischen Wäldern schaffte er das, was die meisten für unglaublich halten. Nach einer fantastischen Fahrt verweist der Belgier die skandinavische Elite rund um Østberg und Hirvonen auf die Plätze und krönt seinen zweiten Gesamtrang mit einem Sieg in der abschließenden Power-Stage. In einem packenden Kampf um den Gesamtsieg der Deutschland Rallye kämpften Neuville und der Spanier Daniel Sordo bis zur finalen Wertungsprüfung auf’s Erbittertste. Für beide ging es um den ersten Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft. Auch wenn es abschließend nur für den zweiten Platz reichte, bleibt seine Leistung unvergessen. Neuville holte alles aus seinem Fiesta raus und bot ein Spektakel, dass den Anwesenden das Staunen in’s Gesicht zimmerte. So verwundert es nicht, dass viele sich an den schmerzlich vermissten Colin McRae erinnert fühlten. Nach einem weiteren zweiten Platz in Australien und vierten Plätzen in Frankreich und Spanien belegt der junge Belgier den zweiten Gesamtrang in der Weltmeisterschaft. In Wales konnte sich Thierry schliesslich den Vizetitel sichern und machte sich nach einer beeindruckenden Saison zum meistbegehrten Mann in der WRC.

Quo vadis Thierry?

Vergangenen November gab Hyundai Motorsport bekannt, dass Thierry Neuville zum Team nach Alzenau wechselt. Im Werksteam ist er als einziger Fahrer für alle WRC Läufe in der kommenden Saison gesetzt. Das 2. Cockpit werden sich Chris Atkinson, Dani Sordo und Juho Hänninen bei verschiedenen Rallyes teilen. Erste Testfahrten in Schweden auf Eis und Schnee, sowie vor wenigen Tagen auf Asphalt in den französischen Seealpen für die Rallye Monte Carlo 2014 hat er bereits absolviert und zeigt sich zufrieden mit seinem neuen Arbeitsgerät. Wie Konkurrenzfähig der i20 WRC zu Beginn der Saison sein wird ist noch nicht abzuschätzen. In wenigen Tagen wissen wir mehr…

Wir von ZEROUNDERSTEER werden den kometenhaften Aufstieg des des schnellen und sympathischen Belgiers aus St. Vith weiterhin mit Spannung verfolgen.

Thorsten Korbella & Sebastian Klos

zeroundersteer.com

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